"The Night Agent" auf Netflix: Lohnt sich die Serie?

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Filmkritiken

"The Night Agent" auf Netflix: Lohnt sich die Agenten-Serie?

Ein FBI-Agent setzt alles daran, um das Leben einer unschuldigen Frau zu beschützen, die in einen gefährlichen Komplott verwickelt ist.

von

Maike Karr
Maike Karr

03/23/2023, 09:07 AM

In unserer neuen Rubrik "Lohnt sich das?" stellen wir euch einmal wöchentlich einen Streamingtitel (Film oder Serie), der in aller Munde ist, vor, nehmen ihn genauer unter die Lupe und fragen für euch die altbekannte Frage: "Lohnt sich das überhaupt?" Lohnt es sich, dafür Zeit zu investieren? Ein Abo abzuschließen? Oder gar ein Abo zu beenden?

Diesmal: (Die ersten 2 Folgen von) "The Night Agent" auf Netflix.

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Darum geht's in "The Night Agent"

Peter Sutherland (Gabriel Basso) ist ein junger und attraktiver FBI-Agent, der durch Zufall in ein Bombenattentat verwickelt wird und bei diesem durch seine geschulte Aufmerksamkeit hunderte Leben retten kann. Aufgrund dessen wird Diane Farr (Hong Chau), die Stabschefin der US-Präsidentin, auf ihn aufmerksam und bietet ihm einen Job an, bei dem er nichts anderes tun muss als Telefonanrufe anzunehmen. Bei den AnruferInnen handelt es sich um sogenannte "Night Agents", die undercover für die Spionageabwehr arbeiten und nur dann anrufen, wenn sie oder wichtige Personen der USA in Gefahr schweben und Verstärkung brauchen.

Als Peter eines Nachts einen Anruf entgegennimmt, hat er eine verzweifelte junge Frau namens Rose Larkin (Luciane Buchanan) am Telefon, die alles andere als ein Night Agent ist. Wie sich herausstellt, waren aber ihre – mittlerweile toten – Tante und Onkel solche Spione, die drauf und dran waren, eine Verschwörung über das FBI aufzudecken. Nun sind die TäterInnen Rose auf der Spur, da sie nicht nur Zeugin des Mordes war, sondern auch mehr über die Verschwörung weiß als ihr guttut. Fortan setzt Peter Sutherland alles daran, um das Leben von Rose Larkin zu schützen und gleichzeitig herauszufinden, wer hinter dem Komplott steckt. Eine spannende Katz-und-Maus-Jagd beginnt. 

Moderne "Damsel in distress"-Geschichte

Wir leben in einer Zeit des Überangebots – und da ist nichts schlimmer als Mittelmaß und Gewöhnlichkeit. Man muss sich ins Zeug legen und sich etwas einfallen lassen, um ZuschauerInnen noch überraschen und begeistern zu können – was besonders bei einem als spannend angepriesenen Krimi-Thriller von großer Bedeutung ist. Genau hier happert's bei  "The Night Agent" am meisten. Denn es gibt zwei Punkte, die besonders stören, da sie schlichtweg ärgerlich und eigentlich nicht zeitgemäß sind. 

Punkt 1: Die Netflix-Serie handelt von einem weißen, hetero-cis Mann. Das ist natürlich an sich kein Verbrechen. Doch diesen Personen wurde schon zu oft Raum gegeben, vor allem von Netflix in den letzten Monaten und Jahren. Man denke hier an "The Recruit" mit Noah Centineo, "Treason" mit Charlie Cox oder Richard Madden in "Bodyguard". Die Handlungen und Hauptfiguren in diesen Geschichten sind vollkommen austauschbar. 

Und, klar: Diese Männer haben natürlich schneeweiße Westen: So wird Peter als Held etabliert, ab der allerersten Szene an. Da rettet er nicht nur eine volle U-Bahn vor einem Bombenattentat, sondern riskiert auch noch sein eigenes Leben, um ein kleines Mädchen zu retten. Den ZuschauerInnen wird hier von Minute Eins an klar gemacht, dass sie dem FBI-Agenten trauen können, weil er so aufopferungsvoll agiert. 

Punkt 2: Rose wird in eine Situation mit hineingezogen, in der die eigentlich selbständige Frau – sie war CEO einer Tech-Firma im Silicon Valley – völlig hilflos und damit voll und ganz auf Hilfe von außen, in diesem Fall: Peter, angewiesen ist. Kurzum: In "The Night Agent" ist wieder mal der Mann der strahlende Held in der Geschichte und die Frau muss gerettet werden. Man kann es ganz schön leid sein, dieses Szenario in einer zeitgenössischen Produktion präsentiert zu bekommen. Das ist altbacken, besonders für eine Streaming-Serie.

Das Problem mit der Prämisse ist, dass (geübte) ZuschauerInnen genau wissen, worauf die Dynamik der beiden ProtagonistInnen hinauslaufen wird, die Beziehung ist also sehr vorhersehbar, langweilig und einfallslos. 

Ein paar Beispiele zur Dynamik zwischen den beiden ProtagonistInnen: Peter ist die einzige Person, der Rose vertrauen kann, sodass sie sich voll und ganz auf ihn konzentriert – beinahe wie bei einem Stockholm-Syndrom. Im Gegenzug dazu plaudert er über streng geheime Missionen des FBI und des Weißen Hauses bereits nach dem ersten Mal Nachfragen von Rose aus. Die Liste geht noch weiter, aber solche Erzähltricks sind schlichtweg billig und unglaubwürdig. 

Außerdem wird Peter durchweg als Retter in Not inszeniert, während Rose die ahnungslose Frau ist, die auf Hilfe angewiesen ist. Wenn wenigstens die Story aus ihrer Perspektive erzählt werden würde, dann hätte das Publikum zumindest den weiblichen Blick auf die Situation, womit die Prämisse von "The Night Agent" zumindest an diesem Punkt von der Norm abweichen würde. Aber so hat man als ZuseherIn stets das nagende Gefühl: "Been there, done that."

Cheap Thrill 

Jede/r ZuschauerIn hat es bestimmt schon mal erlebt, dass ein Film oder eine Serie eine Abkürzung genommen hat – sprich: nicht 100 Prozent logisch war –, um die Erzählung zu straffen und damit spannender zu machen. Gerade bei Thrillern und Action-Produktionen tauchen solche Logiklücken und Erzählfehler öfter auf, da insbesondere hier viele Erzählfäden zusammenlaufen und, zumindest bei Thrillern und Krimis, eine komplexere Geschichte erzählen. Darüber kann man von Zeit zu Zeit hinwegsehen, da sie den Unterhaltungsfaktor steigern. Ab einem gewissen Moment sind diese Lücken jedoch keine kleinen Löcher mehr, sondern kreieren einen richtigen Riss in der Handlung, der ein schlechtes Licht auf das Drehbuch wirft und das Publikum stören kann.

"The Night Agent" ist eine dieser Serien, die sich auf einem schmalen Grat zwischen einer Abkürzung zu einer spannenden Erzählung und großen Logiklöchern bewegt, die die Handlung unglaubwürdig und unrealistisch erscheinen lassen. Und vor allem nur auf einen "cheap thrill" aus sind, sprich: Spannung um jeden Preis, egal, ob sie Sinn ergibt oder nicht. 

Es ist nicht alles schlecht

Nichtsdestotrotz muss man "The Night Agent" auch ein paar Punkte zu Gute halten. Bereits in der Pilotfolge wird mit der kontroversen Vergangenheit von Peters Vater ein großer Handlungsbogen aufgemacht. Die ShowrunnerInnen haben sich mit der Verschwörungstheorie, die in "The Night Agent" behandelt wird, bei weitem keine leichte Aufgabe aufgehalst. Wie groß und komplex der Handlungsbogen bzw. wie weitreichend die Verschwörung ist, deutet sich bereits in den ersten beiden Episoden an. Es wird überaus interessant sein, die Entwirrung der vielen Handlungsfäden zuzusehen – vorausgesetzt, die ShworunnerInnen bekommen das auch gut hin. 

Abgesehen davon liefert die Netflix-Serie immer wieder spannende Action und Situationen, in denen man daran zweifelt, ob man überhaupt noch irgendjemandem trauen kann. Auf einmal sind alle Personen verdächtig und potenzielle GegnerInnen. Beim Zuschauen macht sich schnell paranoide (aber dafür fesselnde) Stimmung breit. Bravo dafür! Genau diesen Effekt muss eine Agenten-Serie auf das Publikum haben. Bitte mehr davon in den kommenden Folgen!

Lohnt sich "The Night Agent" auf Netflix? 

Wieder steht ein Mann im Fokus einer (Action-)Serie. Hätten wir das gebraucht? Wahrscheinlich eher nicht. Das ist nur einer der Punkte, warum es der Netflix-Serie nicht recht gelingen mag, aus der Masse herauszustechen. Das kann man als etwas Schlechtes oder als etwas Gutes sehen – je nachdem, mit welcher Erwartungshaltung man an "The Night Agent" herangeht.

Alle, die nach einer originellen Erzählung suchen, die überrascht, sind hier wahrscheinlich falsch. Jede/r, der sich an Agenten-Serien erfreut, bei denen Action, Spannung, Verschwörungstheorien und etwas Knistern geboten wird, ist hier aber durchaus richtig. 

3 von 5 Sternen

Für Fans von: "Bodyguard", "The Recruit", "Treason"
 

"The Night Agent" ist auf Netflix zu sehen. Hier geht's zur Serie!

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