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© Universal Studios

Filmkritiken
08/11/2022

"Nope": Horse-Man vs. Aliens im genial bizarren SciFi-Horror

Jordan Peele lässt uns in seinem dritten Film vielleicht manchmal ratlos zurück, doch die Bilder bringen uns zum Staunen.

von Franco Schedl

Ein neuer Film von Oscar-Preisträger Jordan Peele ist immer ein Ereignis, obwohl es ja erst zwei von ihm gegeben hat. Doch "Get Out" und "Us" haben durch Intelligenz und Spannung dem Horror-Genre eindeutig frische Impulse verliehen.

Für "Nope" wurde nun ein eher ungewöhnlicher Schauplatz gewählt, denn die Handlung konzentriert sich vor allem auf eine abgelegene Ranch im wüstenartigen Umland von Los Angeles, wo vierbeinige Hollywoodstars gezüchtet werden – soll heißen: Filmpferde.

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Hommage an Spielberg

Eigentlich geht man bei einem Werk wie diesem von der alten Faustregel aus: Je weniger man über die Story weiß, desto größer wird auch die Wirkung sein. Doch das gilt hier nur bedingt, denn "Nope" ist Peels bisher bizarrster Film. Auch eine genauere Inhaltsangabe könnte uns auf das bevorstehende Kinoerlebnis kaum hinreichend einstimmen.

Daher darf man ruhig verraten, was auch schon der Trailer angedeutet hat: Hier läuft alles auf eine Art Hommage an Steven Spielbergs "Die unheimliche Begegnung der dritten Art" hinaus. Auf der Pferderanch häufen sich die unerklärlichen Phänomene, zu deren Auftakt immer der Strom ausfällt und die Handys streiken. Als Kinder eines UFO-gläubigen Zeitalters wissen wir natürlich sofort, was das zu bedeuten hat.

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Ungleiche Geschwister

Mit Daniel Kaluuya hat Peele seinen "Get Out"-Star zurückgeholt, während in der weiblichen Hauptrolle Keke Palmer zu sehen ist. Sie spielen ein ungleiches Geschwisterpaar: Der Bruder ist ein zurückhaltender Mann der wenigen Worte, die Schwester tritt uns als Energiebündel entgegen, das vor Sätzen nur so übersprudelt.

Als sie jedoch die bedrohliche Himmelserscheinung zu Gesicht bekommt, fehlen auch ihr zunächst die Worte.  Aber dann ist rasch ein Plan gefasst: Falls es gelingt, dieses Flugobjekt auf Bilder zu bannen, würde das für ihre von der Schließung bedrohte Farm einen wahren Geldsegen bedeuten.

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Kamerajagd nach dem UFO

Nachdem auch noch ein echter Regisseur der alten Schule engagiert wurde, der auf der Suche nach der "unmöglichen Aufnahme" mit einer handgekurbelten IMAX-Kamera anrückt, sind alle für den großen Showdown bereit.

Es kommt zum Duell zwischen Horse-Man und Aliens, das mit sehr ungleichen Mitteln ausgetragen wird und ein vollkommen überraschendes Ende findet. Jordan Peele muss sich beim Schreiben des Drehbuchs oft köstlich amüsiert haben und man hört förmlich, wie er in lautes Gelächter ausbricht, als ihm die Schlusswendung des Films eingefallen ist.

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Wilde Mischung

Bleibt noch abzuwägen, welchen Sinn das Titelwort hat. Soll es die Weigerung ausdrücken, das unglaubliche Geschehen zu akzeptieren? Wir hören das Wort "Nope" gleich im Vorspann in Form einer Toneinspielung aus dem Off. Da befinden wir uns in einer Sitcom-Kulisse und fast scheint es, als würde der ehemalige Sketchshow-Comedian Jordan Peele gleich vorweg betonen, dass er seinen Spaß mit uns treibt, der mitunter sehr grausame Züge annehmen kann.

Sollte man "Nope" so kurz wie möglich zusammenfassen, könnte man sagen: Aliens, Western-Stimmung und Tierhorror – wobei sich der Sinn einer Rückblende ins Jahr 1998 zunächst nicht ganz erschließen will, doch allmählich wird klar, dass wir es hier wohl auch mit einer hintergründigen Mediensatire zu tun haben.

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Visuell herausragend

Aber vor allem ist der Film eines – visuell überwältigend: in der zweiten Hälfte wird kaum noch geredet, doch es gibt Szenen, die den reinen Terror ausstrahlen, was durch ein geniales Sound-Design noch verstärkt wird. Der Schweizer Kamerakünstler Hoyte Van Hoytema ("Dunkirk", "Tenet", "Interstellar") übertrifft sich wieder einmal selbst und wird uns besonders in einem IMAX-Kino mehrfach dazu bringen, vor Begeisterung (oder Schrecken) den Atem anzuhalten.

Da unsere Augen besonders gefordert werden, erscheint es ebenfalls sehr ironisch, dass für die Hauptfiguren ein absolutes Blickverbot besteht, denn wer von ihnen Augenkontakt mit der Bedrohung herstellt, hat schon verloren.

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Ein Bonuseffekt darf nicht verschwiegen werden: Durch das Einblenden von historischen Bewegtbildern bekommen wir zugleich einen kleinen Lehrgang in Filmgeschichte geboten. Ach ja, und Staubsauger-VerkäuferInnen, die schon immer von der weltgrößten Saugdüse geträumt haben, müsste sich hier wie im siebten Himmel fühlen.  Es war aber bestimmt nicht Jordan Peeles Hauptanliegen, diese Leute mit "Nope" glücklich zu machen – obwohl man gerade bei einem vielschichtigen Werk wie diesem gar nicht so sicher sein kann.                                            

3 ½ von 5 erstklassigen Pferdeäpfeln

"Nope" ist derzeit in unseren Kinos zu sehen. Hier geht's zu den Spielzeiten!

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Oscar-Gewinner Jordan Peele beweist durch eine neue doppelbödige Schreckensvision, dass er ein Meister des spektakulär abgründigen Genrefilms ist.

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