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Filmkritik
12/12/2019

"Mein Ende. Dein Anfang.": Gefangen in der eigenen Erinnerung

Das deutsche Liebesdrama schafft es leider nicht, sein volles Potential zu entfalten.

von Oezguer Anil

Nachdem Aron (Julius Feldmeier) auf der Universität seinen Vortrag über die Relativität von Zeit beendet, spaziert er mit Nora (Saskia Rosendahl) durch das sonnendurchflutete München. Scheinbar durch einen Zufall muss das Liebespaar in eine Bank, um eine Kleinigkeit zu erledigen, doch plötzlich geraten sie mitten in einen Raubüberfall. Waffen werden gezückt und Menschen fangen an zu schreien, beim Versuch Nora zu retten wird Aron erschossen. Ab hier teilt sich die Handlung in mehrere Stränge auf. Wir begleiten Nora bei ihrer Trauerarbeit und den Ex-Kriminellen Natan (Edin Hasanovic), wie er versucht, Geld für seine leukämiekranke Tochter aufzutreiben.

Große Vorbilder

Mein Ende. Dein Anfang.“ ist das Spielfilmdebüt von Mariko Minoguchi. Die 31jährige Münchnerin lernte das Filmemachen autodidaktisch und schrieb hier auch selber das Drehbuch. Die Geschichte erinnert an den US-Hit „Vergiss mein nicht“, aber kommt trotz der vielen Zeitsprünge bei Weitem nicht an die intime Atmosphäre von Michelle Gondrys Meisterwerk ran.

Keine Überraschungen

Man hat das Gefühl sich hier in einem erzählerischen Vakuum zu befinden. Die Handlung ist unoriginell und vorhersehbar, einzig und allein die verschachtelte Erzählstruktur hält das banale Konstrukt zusammen, das durch seine Substanzlosigkeit wohl oder übel dazu verdammt ist, in sich zusammenzufallen. Die Frage, ob unser Leben einem vorherbestimmten Schema untergeordnet ist oder unser Schicksal doch vom Zufall entschieden wird, diente schon als Grundlage für viele Filme, die besser waren als „Mein Ende. Dein Anfang.

Unglaubwürdig

Im Kern der Geschichte spürt man innovative Ideen und einen unkonventionellen Zugang, doch leider ist dieser überlagert von unglaubwürdigen Figurenentwicklungen, die zu nichts anderem dienen sollen als die Fallhöhe zu steigern – ein symptomatisches Problem für den deutschen Film. Anstatt sich auf die durchaus schönen Details zu konzentrieren, verliert sich jegliche Form von Poesie in einer kühlen von dramaturgischer Berechnung geprägten Machart, die aus Geschichten Content und aus Kunst ein Produkt macht.

Virtuose Ansätze

Eine Liebesgeschichte, die ihre virtuosen Ansätze leider nicht über die knapp zwei Stunden Laufzeit beibehalten kann.

Nach einem tragischen Verlust trifft Nora einen neuen Mann und hat das unerklärliche Gefühl, den Fremden bereits zu kennen.