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© Warner Bros.

Filmkritik
02/19/2020

"Lassie - Eine abenteuerliche Reise": Ein Hund bellt bayrisch und rennt durch Deutschland

Der weltberühmte Collie durchquert ganz Deutschland; ein wirklich mitreißendes Tierabenteuer ist dieses Roadmovie aber nicht geworden.

von Franco Schedl

Wer hätte gedacht, dass Lassie einmal die Nationalität ändern würde: dieses vierbeinige Beispiel von uramerikanischer Treue und Zuverlässigkeit ist jetzt sozusagen zu einem deutschen Schäferhund geworden, obwohl sie rein äußerlich noch immer wie ein Collie aussieht.

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Von der Nordsee nach Bayern

Regisseur Hanno Ollerissen erzählt jedenfalls ein deutsches - sogar bayrisches - Hundeabenteuer, denn seine Lassie ist die beste Freundin des 12jährigen Flo aus Süddeutschland. Als sein Vater (gespielt vom Eberhofer-Krimiantihelden Sebastian Bezzel) aus finanziellen Gründen das bisherige Haus aufgeben und in eine kleine Wohnung ziehen muss, bahnt sich eine große Trennung an, denn in der neuen Bleibe sind keine Hunde erlaubt. Lassie wechselt vorübergehend den Besitzer und kommt zu einem Grafen, der seine Enkeltochter samt neuem Hund kurz darauf zur Nordsee mitnimmt.  Dort hält es der Collie aber nicht lange aus, sondern brennt durch, um in die alte Heimat und zu seinen ursprünglichen Besitzern zurückzukehren. Während Lassie also von Nord- nach Süddeutschland unterwegs ist, bricht der junge Flo in umgekehrter Richtung auf, weil er in einem online gestellten Video einen Hinweis auf Lassies Verbleib gefunden hat.

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Angesagte Hunde

Im Grunde ist dieser Film ein zeitgemäßes Remake des Tierfilmklassikers „Lassie Come Home“ ("Heimweh") von 1943. In dieser amerikanischen Produktion war der Collie übrigens ebenfalls in Europa unterwegs, nämlich quer durch England (in Anbetracht der Entstehungszeit hätte Lassie eigentlich als Kampfhund gegen Nazispione auftreten können, doch es wurde bloß harmlose Familienunterhaltung mit einer kindlichen Elizabeth Taylor geboten). Gerade in den letzten Jahren sind Hunde - egal ob bellend oder sprechend -  als Filmhelden wieder sehr gefragt und so startet zeitgleich mit  Lassie in unseren Kinos auch „Ruf der Wildnis“ nach Jack London, in dem ihr Artgenosse Buck im Alaska der 1860er Jahre an der Seite von Harrison Ford ein ziemlich raues Leben führen muss. 

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Menschenschicksale

Das Leben in Deutschland ist dagegen der reinste Luxus und Lassies im Filmtitel angekündigte abenteuerliche Reise ist gar nicht so unglaublich spannend:  sie stielt höchstens einem Hot Dog-Budenbesitzer ein paar Würstel, verbellt einen ungeschickten Möchtegernbösewicht und später im Wald einen Wolf oder springt zum Höhepunkt der Handlung ins Wasser (was einem Hund, der angeblich extrem wasserscheu ist, zweifellos einiges an Überwindung kosten muss). Doch ansonsten scheint sich der Film viel lieber ausführlich den diversen (Neben)Figuren zu widmen, um eine recht uninspirierte Geschichte zu erzählen: da gibt es den verarmten alten Adeligen, den schurkischen Gärtner, die unfreundliche Hauswirtin, einen reichen Vater, der seine Tochter vernachlässigt, und ein angespanntes Vater-Sohn-Verhältnis mit vorhersehbarer Versöhnung. Wurde noch irgendein Klischee ausgelassen? Und der bei jeder Kleinigkeit in Tränen der Rührung ausbrechende Butler des Herrn Grafen wirkt wie eine übertriebene Kunstfigur von Hape Kerkeling (dabei ist der aber gar nicht in dieser Rolle zu sehen, sondern Justus von Dohnányi).

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Verpasste Chancen

Da wäre also wesentlich mehr drin gewesen - nämlich ein echter tierischer Abenteuerfilm, bei dem Lassie wirklich Aufregendes erlebt und als kluger Hund Probleme lösen muss. Auch die Anforderungen eines stimmigen Roadmovies erfüllt dieser Film nicht. Man sieht von der mitteleuropäischen Landschaft hauptsächlich ein paar nichtssagende Felder, Bäume und Steine.

Andererseits wird alles künstlich in die Länge gezogen. Als nämlich Menschen und Hund bereits wieder zusammengefunden haben, reißt sie sozusagen der Strom des Schicksals wieder auseinander; nur damit Lassie dann doch auf eigenen vier Pfoten den ganzen langen Heimweg absolvieren kann.

Zumindest ist dieser Hund immer für eine Überraschung gut:  er hat nicht bloß die Nationalität gewechselt, sondern offenbar auch einen Geschlechtstausch vorgenommen, da die Filmrolle des weiblichen Tiers von einem Hund namens Bandit gespielt wurde - und das ist doch wohl eindeutig ein männlicher Hundename.

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