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Filmkritik
08/21/2019

„Das zweite Leben des Monsieur Alain“: Sprachloser Neustart

Bei dieser französischen Komödie verschlägt es nicht nur der Hauptfigur die Sprache.

von Oezguer Anil

Alain Wapler (Fabrice Luchini) ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der gerade dabei ist, seine Firma und sich selbst auf die Titelseiten der französischen Zeitungen zu bringen. Mit einem Elektroauto, das er auf der Genfer Automesse präsentieren will, sollen die Grundsteine für die Technologisierung des Unternehmens gelegt werden, doch kurz vor dem öffentlichen Auftritt erleidet Alain einen Schlaganfall. Kaum ins Krankenhaus eingeliefert, hüpft der zähe Karrierist schon wieder aus dem Bett und will zurück in sein Büro, doch sein Gehirn spielt da nicht mit. Er leidet fortan an einer Sprachstörung und verwechselt Buchstaben und ganze Wörter. Seine Tochter zieht als Pflegerin wieder bei ihm ein und mit der Hilfer seiner Logopädin Jeanne (Leïla Bekhti) will er sich so schnell wie möglich zurück in den Berufsalltag stürzen.

Pointiert

Die französische Komödie verzichtet auf eine lange Exposition und kommt direkt zum Punkt. Der Humor fußt vor allem auf Sprachkomik. Man begleitet Alain dabei, wie er versucht alltägliche Handlungen zu vollziehen und daran, da seine Sprachfähigkeit eingeschränkt ist, kläglich scheitert. Das Problem hierbei ist nur, dass ein Großteil der Witze ihr volles Potential nur im Französischen entfalten kann. Bei der Erstellung der Untertitel war man diesmal zwar besonders kreativ, man hat sich viel Mühe gegeben die Pointen ins Deutsche zu übersetzen, aber für nicht Francophile bleibt es nur der halbe Spaß.

Erfrischend

Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen seines Genres schafft es „Das zweite Leben des Monsieur Alain“ mit unvorhergesehenen Wendungen Spannung zu erzeugen. Der Konflikt, der am Beginn der Geschichte stand, mündet in größere Themen wie Zugehörigkeit, Lebenssinn und Güte. Die Geschichte ist zwar nicht besonders originell aber dennoch humorvoll und erfrischend erzählt. Die Nebenhandlung in der die Familiengeschichte der Logopädin aufgearbeitet wird, ist zwar deplatziert aber stört nicht so sehr wie das miserable Ende, auf das Regisseur Herve Miran ruhig hätte verzichten können.

Enttäuschendes Ende

In den letzten 15 Minuten schafft es der Regisseur eine gelungene Komödie mit Karacho an die Wand zu fahren. Jeder Funken an humoristischer Qualität erlischt und es bleibt ein generisches Wirrwarr, das man sich gerne erspart hätte.