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Filmkritiken
08/10/2021

"Schändung" auf Amazon Prime: Die brutalen Spiele der Reichen

Eine weitere Roman-Verfilmung der Reihe mit Carl Mørck aus dem Sonderdezernates Q.

von Franco Schedl

Die Klärung eines Mordfalles, der 20 Jahre zurückliegt, ist genau die richtige Herausforderung für Carl Mørck und seinen Assistenten Assad. Die beiden Spezialisten für kaum lösbare Verbrechen sind seit dem Vorgängerfilm „"Erbarmen"“ ein Team, das direkt ein dänisches Akte-X-Feeling aufkommen lässt; zumindest was die Unterbringung ihrer Arbeitsstelle im tiefsten und dunkelsten Keller des Polizeigebäudes anbelangt; und auch ihnen überträgt man nur Fälle, die niemand sonst bearbeiten möchte.

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Altes Verbrechen

Diesmal kommt folgende Herausforderung auf sie zu: Zöglinge aus einem Eliteinternat waren 1994 offenbar in die brutale Abschlachtung eines Geschwister-Paares verwickelt. Es dürfte sogar eine Zeugin gegeben haben, doch die ist seit damals, nach einem panischen Telefonanruf bei der Polizei, wie vom Erdboden verschwunden, und da ein anderer die Bluttat gestanden hat, wurden die Akten geschlossen.

Durch die tragische Begegnung mit dem Vater der einstigen Opfer wird Carl Mørck auf das alte Verbrechen aufmerksam und erkennt, dass es in den Bereich seines Sonderdezernates Q fällt. Mittlerweile sind die ehemaligen Internatsschüler zu einflussreichen Männern geworden und setzen natürlich alles daran, damit ihre blutigen Geheimnisse weiterhin verborgen bleiben.

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Ungleiche Ermittler

Das kleine Team der beiden ungleichen Ermittler erhält diesmal sogar weibliche Verstärkung durch eine Sekretärin, die sich zumindest mit Assad bestens versteht. Aber Mørck ist ohnehin ein Sonderfall und, wie sein Name schon sagt, ein äußerst mörkwürdiger Mensch.

Wenn Nikolaj Lie Kaas nicht ein so guter Schauspieler wäre, könnte diese Rolle leicht zu einer unfreiwilligen Parodie verkommen: der völlig in sich gekehrte grantige Einzelgänger mit dem magenkranken Gesichtsausdruck verbeißt sich so sehr in seine Fälle, dass ihm alles andere gleichgültig wird - vor allem sein körperliches Wohlergehen; da kommt sein persisch stämmiger Kollege und Freund gerade recht, der ihn immer noch vor den äußersten Akten der Selbstzerstörung zurückhalten kann.

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Starke Frau

Zur eigentlichen Sensation dieser zweiten Romanverfilmung wird aber die junge Danica Curcic, Dänemarks Shooting-Star der European Film Promotion auf der Berlinale 2014: in der Rolle des gesuchten Mädchens spielt sie eine starke Frau, für die offensichtlich Lisbeth Salander aus der "Millennium"-Trilogie Patin gestanden hat (das wäre hier auch der einzige Kritikpunkt in Sachen Originalität).

Als Internatsschülerin erleben wir sie zuerst als unbändigen Wildfang, der sich mit den falschen Personen abgibt und in gefährliche kriminelle Spielchen verwickelt wird; später - und um 20 Filmjahre gealtert - treffen wir sie als im Abtauchen geübte Einzelkämpferin wieder, die problemlos von der Gejagten zur Jägerin wird; sie hat es gar nicht nötig, sich von Mørck beschützen zu lassen sondern rettet höchstens ihm das Leben.

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Düstere Stimmung

Bei dieser deutsch-skandinavischen Koproduktion hat erneut Mikkel Nørgaard Regie geführt und auch die Kamera war wieder Eric Kress anvertraut; was sich als gute Entscheidung erwies, da die düstere Grundstimmung des ersten Film noch übertroffen wurde und man kann sich ehrlich auf die weiteren Kinoauftritte des Polizisten-Duos freuen. Immerhin gibt es ja noch ein paar Krimis des Bestseller-Autors Jussi Adler-Olsen, die auf ihre Verfilmung warten.

4 von 5 Sonderpunkten aus dem Filmdezernat F.

"Schändung" ist derzeit auf Amazon Prime verfügbar.

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